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6.1 Einordnung und Ziele

Der persönliche Softwareprozeß (PSP) bedeutet die Anwendung der Prinzipien des CMM auf einen einzelnen Softwareingenieur anstatt eine ganze Organisation. Der hier vorgestellte Ansatz wurde vom Miterfinder des CMM, Watts Humphrey, am SEI entwickelt und in einem Buch vorgestellt [Hum95]. Die nachfolgende Darstellung basiert auf den Ideen aus diesem Buch.

Ziel des PSP ist ein disziplinierter Softwareprozeß eines Individuums, der selbstoptimierend ist, also im CMM auf Stufe 5 anzuordnen wäre.

Der Vorzug des PSP-Ansatzes gegenüber CMM liegt darin, daß die Arbeit einer Einzelperson sehr viel leichter zu verändern ist als eine ganze Organisation. Zudem lassen sich leichter konkrete Techniken angeben, wie eine Verbesserung bewirkt werden kann. Drittens sind außerdem die Verbesserungen leichter als Erfolgserlebnisse für den einzelnen wahrzunehmen, was die Durchsetzung erleichtert. Der PSP soll CMM nicht ersetzen, sondern nur einen konkreten Zugang zur Prozeßverbesserung bieten, der die Erhöhung der CMM-Prozeßreifestufe erleichtert und auch schon ohne eine Erhöhung der Gesamtreifestufe der Organisation eine Verbesserung der Softwarequalität ermöglicht.

Psychologisch gesehen liegt ein wesentlicher Vorzug des PSP darin, daß er dem einzelnen Softwareingenieur hohe Kontrolle über seine Arbeitsweise beläßt bzw. überhaupt erst ermöglicht, denn bei undisziplinierter Arbeitsweise wird der jeweils nächste Schritt ja typischerweise mehr von unerwünschten Ereignissen diktiert als vom Programmierer selbst festgelegt. Wie wir in Abschnitt 2.6.3 bereits gesehen haben, ist hohe Kontrolle über die eigene Arbeitsweise und -umgebung motivationsfördernd.


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Lutz Prechelt
1999-04-13